Stormchaser Chrischi
  Meine Laufbahn
 
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Wie bin ich zu einem Stormchaser bzw. Spotter geworden?


Eine sicherlich berechtigte Frage hier auf dieser Seite...

Die History ist mittlerweile so lang, dass 1000 erlebnisreiche Tage bei weitem nicht ausreichen. Selbstverständlich kann ich mich nicht mehr an jeden Tag erinnern, geschweige denn beschreiben.

Nun gut, wie hat denn nun alles angefangen, möchtest du sicherlich wissen?
Einen genauen "Tag des Ursprungs" gibt es nicht.
Als kleines Kind hatte ich eigentlich immer Angst vor Gewittern, gleichzeitig faszinierten diese mich jedoch irgendwie. Ich stellte meinen Eltern oft Fragen. Dass manch andere Kinder nachts dann gleich weiterschlafen konnten, war bei mir Fehlanzeige.
Bis 1995 war ich jedoch ganz normal würde ich sagen. Man freute sich, wenn es im Sommer warm war, damit man baden gehen konnte und im Winter freute man sich auf den Schnee, damit man Schlitten fahren konnte.
Ich kann mich jedoch noch gut daran erinnern, wie in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1995 bei uns in Weißwasser (Ostsachsen) innerhalb weniger Stunden 25 cm Schnee fielen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich aber wohl er darüber gefreut, so viel Schnee wie noch nie gesehen zu haben, als dass ich darüber nachdachte, warum das so war oder sein konnte. Vielleicht war aber schon diese Art Freude ein erstes Zeichen von innerem Interesse, welches nur noch nach außen treten musste.

Die erste richtige Wende spürte ich dann im Jahre 1996, welches ich somit als "das beginnende Jahr" halte.
Unser erst wenige Monate altes Telefon hat es im Sommer bei einem schweren Gewitter eiskalt erwischt. Was war passiert? Ich las abends gerade an einem spannenden Abenteuerbuch, als ich plötzlich einen Blitz zucken sah. In der nicht mal einen Sekunde hörte man neben einem bremsen-quietschenden Auto einen furchtbaren Knall bzw. Donner, wo ich dachte, dass in jedem Moment die Scheiben bersten. Der Strom fiel aus, das Telefon bzw. die Leitung war durchgeschmort und somit nicht mehr funktionsfähig.
Was fühlte ich wohl zu dem Zeitpunkt? Irgendwie alles! Auf der einen Seite stand ich natürlich so ein bisschen unter Schock (nennen wir es "Schreck"), auf der anderen Seite war ich aber auch wütend, weil der Blitz genau bei uns einschlug. Sozusagen sagte ich den Gewittern den Kampf an. Und ich denke mal, dass ich hier nun begann, mich näher für Gewitter zu interessieren.
Doch das Jahr hatte noch mehr Überraschungen auf Lager. Ich traute mich immer mehr, die Gewitter live vom Fenster aus zu beobachten. Ich begann ebenso jeden Blitz zu zählen. Unter 6 Sekunden blieb ich jedoch noch fern vom Fenster, aus Sicherheitsgründen.
Da kam wieder eine Nacht, wo ein schön langes Nachtgewitter über uns zog. Als es über uns war, blieb ich still im Bett liegen, schloss die Augen und war nur mit Zählen beschäftigt. Nach einer Zeit erreichten die Donner wieder so 15-20 Sekunden vom Blitz und ich wollte nun die Blitze beobachten, die nun in der Ferne sich gen Boden bewegten. Es blitzte jedoch kaum noch. Es schien sich abgeschwächt zu haben - Fehlanzeige!
Plötzlich wurde es gigantisch hell! Und ehe ich mich richtig umdrehen konnte, spürte ich, wie der Donnerschlag auf meinem Rücken prallte und durch mein Körper fuhr. Der Blitz muss irgendwo in sehr naher Umgebung unseres Plattenbaus eingeschlagen haben. Doch das war nicht das Schlimmste. Ich merkte sehr schnell, dass ich nicht mehr sehen konnte. Etwa eine ganze Minute verging, bis meine Augen langsam wieder Licht aufnahmen. Die Minute kam einem ellenlang vor und ich dachte schon, ich wäre erblindet. Im Spiegel sah ich, dass meine Netzhaut leicht rot angelaufen war. Nach der Nacht glaubte ich jedoch, auf einmal besser, klarer und weiter sehen zu können, als je zuvor. Bis heute ist es mir unerklärlich, meine gute Sehkraft ist jedoch erhalten geblieben. Danach wurde mir klar, dass man Gewitter nicht unterschätzen sollte.
Auf jeden Fall war der Wunsch geboren, irgendwann einmal Meteorologe zu werden.

Dann kam das Jahr 1997.
Zu meinem Geburtstag im Februar bekam ich einen Fotoapparat geschenkt. Und im Laufe der vielen Folgemonate und 2 Jahre begann ich, mich an die Wolkenkunde heranzunahen. Ich fotografierte sie, sah mir diese manchmal "stundenlang" an und dokumentierte es schriftlich in einem eigenen Ordner.
Zum Leitwesen meiner Eltern, die damals die ganzen entwickelten Filme bezahlen mussten, wurden insgesamt ca. 500 Wetterbilder in 7 Jahren fotografiert (1997-2003). Das machte etwa 20-25% meines gesamten Fotobestandes aus!
Im Sommer kam hinzu, dass ich die Gewitter dokumentierte. Ich verfolgte genau, wie sie über unsere Stadt zogen, wann sie sich abschwächten und wieder verstärkten und welche Begleiterscheinungen zu erkennen waren. Auch noch im Jahr 1997 erlebte ich einen heftigen Hagelsturm am Balaton (Ungarn). Hagelkörner von 3-4cm Größe und ein sehr rauer Wellengang auf dem Plattensee waren für mich ganz neue Ereignisse. Bis heute sind es die größten Hagelkörner, die ich je live miterlebt habe. Außerdem wurde es danach schlagartig kalt!

Weiter ging es dann 1999.
Neben meinem ersten Wetterbuch mit einem Ablesekalender, bekam ich eine eigene Wetterstation von Kachelmann geschenkt (Kosmos). Kachelmann war außerdem mein großes Vorbild. Ich war damals erst 14, doch schon sehr vernarbt in diese für mich recht wertvolle Erweiterung. Nur mit den physikalischen Prozessen kannte ich mich noch nicht so richtig aus.
Die Wetterstation konnte ich aber leider nur in unserem 4 km entfernten Garten aufstellen. Dennoch las ich täglich meine Daten zu Hause oder im Garten ab und trug sie in den Ablesekalender ein.
Dies geschah dann auch in den Folgejahren, wobei ich mein Wissen immer mehr erweiterte.

2001 begann ich dann jedoch eine Ausbildung, womit ich somit tagsüber immer vom Ablesen entfernt war. Da der Ausbildungsort etwa 50 km entfernt war, kam ich immer spät abends mit dem Bus nach Hause. Desweiteren war meine Berufsschule im Westen Deutschlands. Die Ablesungen musste nun meine Mutter übernehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits den älteren Rechner meines Bruders bekommen. Ich übertrug das gesamte Datenmaterial in Excel-Tabellen (das Programm habe ich mir selbst einstudiert damals) und später erstellte ich per Power-Point die Grafiken (also Liniendiagramme). Da wir damals auch noch nicht so schnell Internet hatten, beschäftigte ich mich fast ausschließlich mit dem Material der gesammelten Daten. Es war damals die größte Datenmenge, die auf meinem PC war. Da kam auch keine "Tomb-Raider" mehr dagegen an.
Ich plante sogar einen eigenen "hundertjährigen Kalender" für Weißwasser, da unser Klima aufgrund der Tagebau-Gebiete etwas völlig Besonderes war, diese Idee zerschlug sich jedoch dann durch immer mehr fehlende Ablesungen. Die Arbeit an meinem größten Hobby schwächelte somit immer mehr.

2003 kam auch bei uns der Internetdurchbruch. Zugleich war es das trockenste Jahr in unserer Region. Im ganzen Jahr fielen nur 220-260 Liter pro Quadratmeter.
Und obwohl ich 2004 die Ausbildung abschloss und durch Arbeitslosigkeit eigentlich genügend Zeit hatte für das Hobby, machte es einen großen Einbruch. Ich stellte die Ablesungen ein, bewarb mich aber für Ausbildungsstellen in den diversen Berufszweigen des Wetterdienstes.
Der Nachlass kam jedoch nicht etwa durch ein eventuelles Desinteresse zum Wetter auf, sondern es lag an diversen persönlichen Wendepunkten im Leben.

2005 kaufte ich mir dann mein erstes Auto, doch erst im Jahr 2006, als ich wieder täglich zur Arbeit fuhr, sah ich die vielen Erscheinungen auf der Fahrt. Es gab eine Reunion zu diesem Hobby. Zugleich kaufte ich mir meine erste Digicam und ich hielt häufiger an, um Fotos von Wettererscheinungen zu machen. Das Interesse stieg wieder drastisch an, doch von Gleichgesinnten gab es noch keine Spur. Viele empfanden das Thema "Wetter" eher langweilig oder als etwas "täglich begleitendes", wo ich sie auch verstehen konnte.

Im März 2007 sah ich zufällig im Internet ein Angebot: Jemand hatte eine Karte zum "Extremwetterkongress"  (EWK) übrig, die er gerne verkaufen möchte. Der EWK war jedoch nur noch 1 Woche entfernt und fand in Hamburg statt. Es dauerte keine 2 Sekunden und ich sagte zu.
Zusammen mit einem Berliner fuhr ich dann nach Hamburg und erlebte den ultimativen Wendepunkt, der mich aus einem Hobby-Meteorologen zu einem gebürtigen Stormchaser machte. Ich traf nicht nur hunderte Gleichgesinnte, sondern ich lernte unwahrscheinlich viel dazu. An den zwei Tagen merkte ich, dass mein Wissen aus den vergangenen Jahren weniger als 1% betrug. Aber in Hamburg kam gleich noch ein ganzer Prozentsatz zusammen, so schien es mir. Ich dokumentierte jeden Beitrag.
Gleichzeitig informierte ich mich über Stormchaser und traf nur zwei Tage nach Hamburg auf deren Internetseite. Nun konnte ich mit den Gleichgesinnten auch per Internet kommunizieren und so traute ich mich, Bilder reinzustellen und Fragen zu stellen. Gerade nach dem Orkan "Kyrill" im Januar und dem trockensten April seit hunderten von Jahren merkte ich meine Aktivität in diesem Hobby.
Im Mai begann ich erstmals, Stormchaser-Fahrten zu dokumentieren. Dabei steigerte ich mich von Video zu Video und legte eher eine ungewöhnliche Video-Dokumentation vor. Ich untermalte alle Videos nicht nur mit Musik, sondern ich kommentierte diese auch und versteckte dabei nicht immer mein Gesicht.
Ich lernte aber auch Chaser aus der näheren Umgebung näher kennen (Spremberg, Görlitz).
Das Jahr 2007 war mit mehr als 50 Gewittern zudem das Gewitterstärkste Jahr, seit ich Gewitter zu zählen begann (1995). Im Durchschnitt waren es immer nur 10-20 Gewitter, in einigen Jahren kamen nicht mal 5 Gewitter zusammen.

Meine Aufgabe als Chaser wurde mir aber auch immer ernster bewusst. Neben Schadensanalysen von möglichen Tornadospuren, lernte ich, wie man sich als Chaser richtig zu verhalten hat, welche Gefahren besonders schnell auftreten können und was es heißt, Respekt vor den Naturgewalten zu haben. Dass Stormchaser keine Katastrophentouristen sind, sondern für was diese wirklich zuständig sind, kannst du auf der vorhergehenden Seite nachlesen.

Durch meinen Umzug nach Dresden im August 2007 war es nun für mich wieder was Neues, denn ich musste mich an ein anderes Klimamodell gewöhnen und neue gute Aussichtspunkte finden. Doch auch in Dresden war nicht wenig los gewesen bisher.
Auf dem Extremwetterkongress in Hamburg, im März 2008, absolvierte ich dann erfolgreich die Prüfung zum "Spotter" beim Verein Skywarn. Somit bin ich ehrenamtlich tätig. Desweiteren bin ich dem Team "Stormchasers Sachsen" beigetreten und gestalte seit Sommer 2008 wenigstens 5x pro Woche die Wetteraussichten für Sachsen über meine Website.

Den Traum, einmal beruflich in den Wetterdienst einzusteigen, habe ich 2008 jedoch aufgeben müssen, da das Angebot leider zu gering ist und ich nicht ewig auf den Beruf warten kann und möchte.

Seit Februar 2009 ist nun diese eigene Stormchaser-Seite öffentlich. Diese ist jedoch nur in privater Nutzung und wird kein Konkurrenzverhalten für das Stormchaser-Europe, Skywarn oder Stormchasers-Sachsen darstellen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit und hoffe auf eine starke Saison 2009.

Lieben Gruß
Stormchaser Chrischi aus Dresden
 
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